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         von Gerhard Lorenz

Landvermessung in Franken Vermessung der Fränkischen Grundlinie im Jahre 1807

Ende einer Epoche Ein Aprilscherz

Unterirdisches Die Chislehurst Cave

Ich habe es erlebt Neuentdeckung in einer Höhle

 

Landvermessung in Franken

Vermessung der Fränkischen Grundlinie im Jahre 1807

Um das Jahr 1800 begann in Bayern mit dem Aufbau einer staatlichen bayerischen Landesvermessung die Arbeit an einem das ganze Land überspannende Dreiecksnetz. Erforderlich war dies, um eine Basis für die Erfassung der Eigentumsverhältnisse an Grundstücken zu schaffen.

Ein erster Meßpunkt, dessen Lage astronomisch bestimmt wurde, war der nördliche Turm der Münchner Frauenkirche. In Franken war der Hohenstein ein Hauptverknüpfungspunkt. Die erste Hauptbasis, deren Länge noch mit Holzstangen bestimmt worden war, lag zwischen München und Aufkirchen und war 21,6538 km lang.

Südlich von Erlangen-Bruck, dort wo die "Sekundärbahn" die Schnellstraße kreuzt, steht an der nördlichen Bahndammseite heute noch ein etwas größerer Markstein. Er wurde 1807 gesetzt und ist der Endpunkt der "Fränkischen Grundlinie" die unter der Leitung von Prof. Ulrich Schiegg vermessen wurde. Er war ein Mönch aus Ottobeuren der neben Theologie auch Philosophie, Mathematik, Astronomie und Physik studiert hatte. Wegen Erkrankung konnte er an der eigentlichen Meßarbeit nicht teilnehmen.

Die Meßstrecke für die Fränkische Basis lag zwischen den Kirchturmspitzen von St. Johannis in Nürnberg und St. Peter und Paul in Erlangen-Bruck. Die Linie mußte die Bedingungen erfüllen, möglichst wenig durch Ortschaften hindurch zu führen und an den Endpunkten wollte man freie Sicht auf den Hohenstein haben. Die Meßstrecke war zur Nachprüfung des von München aus aufgebauten Dreiecksnetzes erforderlich, mit dem die Strecke Hohenstein – Nürnberg bestimmt worden war.

Zur genauen Längenbestimmung der "Fränkischen Grundlinie" wurden 5 Stangen aus gehärtetem Stahl von 3/4 Zoll Durchmesser und etwa 4 Metern Länge mit keilförmigen Schneiden an den Enden angefertigt. In die Stangen waren Thermometer eingebaut und ein Holzgehäuse schütze vor Durchbiegung und schnellen Temperaturänderungen.

Die genaue Länge der Meßstangen wurde mit Hilfe eines direkt vom Urmeter in Paris abgeleiteten Meternormals bestimmt. Die Messung erfolgte an einer Ziegelmauer, in die Metallstifte eingelassen waren und an die eine Brücke zum Auflegen der Meßstangen und des Eichmaßes befestigt war. Unter genauer Beachtung der Temperatur wurden je 38 Messungen ausgeführt. Die Länge des Urmaßes war am Gefrierpunkt definiert. Die Restlänge nach vierfachem Anlegen des Meternormals wurde mit einem sehr genauen Zollstock mit Mikrometerablesung bestimmt. Der arithmetische Mittelwert der Einzelmessungen unter Berücksichtigung der Temperatur ergab dann die Länge der Meßstangen.

Zur Messung der Basislinie wurden die Meßstangen hintereinander auf Holzböcke aufgelegt. Um Beschädigungen und Verschiebungen beim Aneinanderstoßen der Stangen und Fehler durch ungenügende Berührung zu vermeiden, wurden sie mit einem kleinen Zwischenraum aufgelegt und der Abstand mit einem dazwischen geschobenen Meßkeil bestimmt. Die Neigung jeder Meßstange gegen die Horizontale wurde mit einer aufgesetzten Libelle, an der eine Mikrometerschraube angebracht war, bestimmt. Zunächst wurde die zu messende Linie mit dem Theodoliten vom Turm von St. Johannis aus abgesteckt. Über vereinbarte Signale wurden entlang der Basislinie im Abstand von 50 bis 80 Metern Pflöcke eingeschlagen. Auf der genauen Verbindungslinie gab es einige Hindernisse, die die Messung erschwerten. Schon beim Start in St. Johannis störte die hohe Mauer um den Johannisfriedhof und die anschließende Sternschanze. Man begann daher die eigentliche Messung hinter der Sternschanze und bestimmte die Verbindungsstrecke zur Johanniskirche durch eine Seitenlinie unter 60 Grad. Die weiteren großen Hindernisse Boxdorf und Bruck wurden ebenfalls durch Dreiecke unter 60 Grad umgangen. In dem alten Meßprotokoll wird berichtet, daß die Bauern von Boxdorf aufgebracht waren, weil sie den Verdacht hatten, daß quer durch ihre Felder eine neue gerade Straße gebaut werden sollte. In dem Bericht heißt es anschaulich: "Sie gaben vernünftigen Vorstellungen kein Gehör, sondern lärmten fort."

Die erste Seitenlinie bei St. Johannis wurde als Übung für die Arbeiter und um Erfahrungen über die erreichbare Genauigkeit zusammeln, zweimal gemessen. Bei größeren Höhenunterschieden und am Ende der Tagesarbeit wurde mit dem Lot, einer schweren Stahlspitze an einem feinen Golddraht, abgesenkt. In die Erde war ein Holzpflock geschlagen, an dessen Oberseite ein breiter Messingstift angebracht war. Der Draht und das Lot wurden durch ein Blechrohr und einen Glaskasten gegen Windeinflüsse geschützt. Durch schnelles Absenken wurde auf dem Messingstift eine Einschlagmarke erzeugt. Der Punkt wurde durch Bedeckung mit Erde über Nacht und Sonntags geschützt. Zum Schutz gegen mutwillige Beschädigung waren Wachen eingeteilt. Zur Fortsetzung der Messung wurde nicht versucht, die nächste Stange mit dem Lot auf den Einschlagpunkt auszurichten, sondern es wurde ein zweiter Punkt erzeugt und der Abstand der beiden Punkte in die Messung mit einbezogen. Der verwendete Maßstab hatte einen Strichabstand von 0,2 mm.

Zur Überwindung von Bächen wurden entlang der Meßstrecke behelfsmäßige Brücken gebaut. Nach über einem Monat Arbeit und nachdem man die Meßstangen etwa 3500 mal aneinandergereiht hatte, konnte man an die Berechnung der Gesamtlänge gehen. Zur Reduktion der Stangenlänge auf die Horizontale mußten von Schiegg eigens Tabellen der Winkelfunktionen erstellt werden. Auch die Abhängigkeit der Stangenlänge von der Temperatur war ermittelt worden und wurde berücksichtigt. Die Höhenlage der Endpunkte wurde durch häufig wiederholte barometrische Messungen ermittelt. Nach Reduktion der Längenmessung auf Meereshöhe wurde der ermittelte Wert mit 13796,5605 Meter angegeben.

Literatur: "Die Fränkische Basis" von Manfred Niepelt. Fürther Heimatblätter, Heft 1/2 - 1994, Seite 1 bis 41.

 

Ende einer Epoche Ein Aprilscherz

Wir hatten uns vorgestellt, es könnte nicht so schwer sein, unser Ziel nach der Karte problemlos zu finden. Aber als wir hinter Amberg die Autobahn verlassen hatten und uns in Richtung auf den Hirschwald begaben, schien unser Ziel, der Weiler Butzenricht, wie vom Erdboden verschlungen. Dort in der Nähe lag die alte Grube, an der wir mit Herrn Rauchhändler verabredet waren, der uns zu einer Sonderführung erwartete.

Als wir uns schon fast verloren glaubten, tauchte plötzlich am Waldrand eine verwitterte Hinweistafel zur Grube Antoinette auf. Nach längerer Fahrt über einen tief ausgefahrenen Forstweg, kamen wir reichlich verspätet an einem verrosteten Gittertor an. Dahinter waren durch die Bäume die Umrisse eines Förderturms zu erkennen. Zum Glück wartete unser Führer noch auf uns. Das Schreiben der Grubenleitung, das unsere Besuchserlaubnis enthielt, schaute er nur kurz an, um dann gleich auf die Geschichte der Grube zu sprechen zu kommen. Wir wußten natürlich schon, daß ein trauriges Ereignis, nämlich die Schließung der letzten Grube mit natürlichem Karbidvorkommen in Europa bevorstand.

Aber zunächst erfuhren wir, wie die Grube zu ihrem Namen gekommen war. Im Jahr 1822 war der französische Einwanderer Tromper ein Hugenotte, aus Erlangen auf der Suche nach einer neuen Lebensbasis, hier her gekommen. Er wollte Flußspat schürfen, und begann hier einen schrägen Stollen in die Tiefe zu treiben. Das Inhalieren von Fluor war damals eine Mode, von der man sich alle möglichen Vorteile für die Gesundheit bis hin zur Potenzsteigerung versprach. So war die Nachfrage nach Flußspat recht groß. Heute ist von diesen Vorstellungen nur der Schutz für die Zähne gegen Karies übrig geblieben. In Erinnerung an die unglückliche Marie Antoinette, Gattin Ludwigs des XVI, die 1793 hingerichtet worden war, gab er seinem Werk ihren Namen.

Dieser erste Versuch, hier der Erde ihre Schätze zu entreißen, schlug fehl. Man vermutet heute, daß Tromper nach etwa 150 Metern aufgeben mußte. Die technischen Möglichkeiten waren damals recht bescheiden und als seine Ersparnisse aufgebraucht waren, und er noch keine abbauwürdigen Vorkommen gefunden hatte, war das vorläufige Ende der Grube besiegelt. Es sollte über 100 Jahre dauern, bis im Jahr 1937 in dem noch erhaltenen Stollen erneut die Arbeit aufgenommen wurde. In dem politisch motivierten Bestreben, Deutschland von allen Importen möglichst unabhängig zu machen, wurde jede Hoffnung auf eigene Bodenschätze zielstrebig verfolgt. Hier hatte man die Aussicht auf die unterschiedlichsten Erze und Mineralien, von denen bereits Vorkommen in der Gegend bekannt waren. Es war ein glückliches Zusammentreffen, daß sich zu jener Zeit im Bergbau die Verwendung von elektrischen Grubenlampen gerade durchgesetzt hatte. Im anderen Fall wäre das Auftreten des markanten Karbidgeruchs sicher zunächst auf eine undichte Karbidlampe geschoben worden und nicht als ernste Warnung vor einer drohenden Schlagwetterexplosion erkannt worden. Der Ausbau der Grube hatte bis 120 Meter unter der Oberfläche durch die massiven und dichten Granite des variskischen Gebirges geführt. Es sind die ältesten Formationen der Erde, die hier bis an die Oberfläche ausstreichen. Dann stieß man auf eine geologische Situation, wie sie nur an wenigen Stellen auf der Welt auftritt. Entlang einer Störungslinie stießen Juradolomite mit entsprechenden Gehalten an Kalzium- und Magnesiumkarbonat mit einem wahrscheinlich nur etwa 20 cm mächtigen Kohleflöz zusammen. In unmittelbarer Nähe war die Erde einmal vulkanisch aktiv, was heute an einem verbliebenen Basaltschlot zu erkennen ist. Diese Formen sind wesentlich markanter am Rauhen Kulm und am Parkstein zu bewundern. Die starke Hitze durch die flüssige Lava machte jenen Prozeß möglich, der heute im Lichtbogenofen künstlich herbei geführt wird. Unter Luftabschluß bildete sich aus den sich berührenden Komponenten eine erstaunlich dicke Schicht aus glasig hartem Kalziumkarbid. Eine Hülle aus dichtem aufgeschmolzenen Granit schützte seither vor eindringenden Wässern und Luftfeuchtigkeit. Wie wir bei unserem Besuch sehen konnten, wird dieser Zustand durch Trocknung der zugeführten Luft und durch ein ausgeklügeltes System von Wettertüren bis heute aufrecht erhalten. Trotzdem sind natürlich sämtliche Gänge, die man aber gefahrlos betreten kann, von deutlichem Karbidgeruch erfüllt. An den technischen Einrichtungen war bemerkenswert, daß als Energiequelle bis heute nur Verbrennungsmotoren verwendet werden, die man natürlich ausschließlich mit Acetylen betreibt. Die verwendeten Meißel und sonstigen Werkzeuge sind aus einer besonderen Bronzelegierung die zwar sehr teuer, aber fast so hart wie Stahl ist und den entscheidenden Vorteil hat, daß sie keine Funken schlägt. Nach gut einer Stunde hatten wir unsere Besichtigungstour beendet und es ging an Zerkleinerungs- und Sortieranlagen vorbei zurück zum Ausgang.

Der weltweite Bedarf an Karbid geht laufend zurück und die synthetische Herstellung ist in beliebigen Mengen kostengünstig möglich. Der Abbau der noch verbliebenen natürlichen Vorkommen in der Oberpfalz ist daher nicht mehr wirtschaftlich. Der Betreiber, ein von der VEBA aufgekauftes Subunternehmen der ehemaligen Maxhütte, hat daher zum Ende des ersten Quartals 95 die endgültige Streichung der letzten 7 Arbeitsplätze beschlossen. Der Abbau und die Sicherung der Grubenanlage wird bis dahin abgeschlossen sein. Der Weiterbetrieb als Schaubergwerk wurde wegen der besonderen Sicherheitsprobleme und wegen der bestehenden Konkurrenz ähnlicher Einrichtungen in der Gegend verworfen. So blieb uns nur, Herrn Rauchhändler, der als studierter Geologe und Experte für Karbide noch gewisse Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat, alles Gute für die Zukunft zu wünschen.

Der für den Fränkischen Höhlenspiegel geschriebene Scherz wurde in der nachfolgenden Ausgabe aufgeklärt:

Grube Antoinette

Nicht alles was man so schwarz auf weiß zu lesen bekommt, entspricht der Wahrheit. Besonders kritisch sollte man bei Veröffentlichungen sein, die um den 1. April herauskommen. Andererseits kann einem natürlich zu viel Mißtrauen auch die Freude am Lesen verderben. Bei dem Bericht über den Besuch in der Grube Antoinette im letzten Höhlenspiegel war ein gesundes Mißtrauen aber durchaus angebracht.

Es stimmt zwar, daß Marie Antoinette die Frau Ludwigs des XVI. war und hingerichtet wurde. Auch daß der Parkstein und der Rauhe Kulm Basaltkegel sind, die aus Vulkanschloten entstanden sind, ist richtig. Aber an der haarigen Theorie von der Entstehung der natürlichen Karbidvorkommen in der Oberpfalz samt dem dazugehörigen Bergwerk war nichts Wahres. Angeregt durch einem Artikel in "NSS-News", der dort pünktlich zum 1. April erschienen ist, habe ich das Geschehen über den großen Teich in unsere Heimat geholt und den örtlichen Gegebenheiten angepaßt.

In Kurzfassung sei gesagt, daß Kalziumkarbid aus feingemahlenem Koks und Kalk im elektrischen Lichtbogen bei 2200°C erschmolzen wird.

Wer sich für die chemischen Details der Erzeugung und was daraus wird, wenn es verbraucht ist, interessiert, der kann dies nachlesen in Höhlenspiegel Heft 12, Seite 31 "Der Kreislauf des Karbid" vom gleichen Verfasser.

 

Unterirdisches: Die Chislehurst Cave

Am südlichen Stadtrand von London liegt in einem Kreidehügel ein ca. 35 km langes, künstlich angelegtes Gangsystem. Wenn auch die künstlichen Stollen nicht unbedingt Gegenstand der Höhlenforschung sind, so hat ein so riesiges unterirdisches Labyrinth doch auf jeden Höhlenforscher eine magische Anziehungskraft. Aufmerksam geworden durch einen ausführlichen Bericht in den amerikanischen NSS-News, nutzten wir den Sommerurlaub 1987 in England, die Chislehurst Cave zu besuchen. Bei den Führungen kann man zwischen einer kleinen Tour von einer 3/4 Std. und einer großen von 1 1/2 Std. wählen. Da gerade eine kleine Tour begann, entschieden wir uns für diese.

Das Gangsystem läßt sich in drei große Abschnitte unterteilen, den druidischen, den angelsächsischen und den römischen Teil. Die ältesten Abschnitte reichen weit in vorgeschichtliche Zeit und bestanden aus Schächten, die in leicht zu durchgrabende Sande und in die darunter liegenden Kreidefelsen getrieben wurden. Diese wurden dann zu kleeblattförmigen Kammern erweitert. Vermutlich dienten sie zur Gewinnung der in die Kreide eingelagerten Feuersteine und als Zuflucht vor der Winterkälte. Zur Befahrung wurden hineingestellte Baumstämme und Aushöhlungen in den Wänden benutzt. Diese ältesten Räume sind in das heute zusammenhängende Gangsystem einbezogen. Ihre alten Eingänge sind verschüttet und verfallen. Das ganze Gangsystem befindet sich auf einem horizontalen Niveau, dessen Boden von Plimouth rock, einem granitartigen Gestein, gebildet wird. Bei der Entdeckung des heutigen Eingangs in den zwanziger Jahren, dem einzigen ebenerdigen Eingang, waren übersinnliche Kräfte mit im Spiel. Eine Frau, deren hellseherische Fähigkeiten bekannt waren, führte die Forscher an eine schmale, mit Sand verschlossene Gangstelle und sagte voraus, daß hier um die Mittagszeit der Weg nach außen gefunden werden würde. Nach 6 Monaten Grabungsarbeit und einer Strecke von 65 m war es soweit. Beim Weitergraben fiel ein großer Steinbrocken nicht wie erwartet in den Gang, sondern nach außen und ließ eine klaffende Öffnung zurück. Im gleichen Moment wurde der gerade hier arbeitende Besitzer der Höhle von seinen Kameraden zum Mittagessen gerufen.

Die gleiche Frau hatte auch vorhergesagt, daß sie eine große Menschenmenge in der Höhle ein und aus gehen sähe. Dies bewahrheitete sich, als das Höhlensystem im zweiten Weltkrieg für bis zu 15 000 Menschen als Luftschutzbunker diente. Wer durch Kriegseinwirkung seine Wohnung verloren hatte, lebte dann auch die ganze Zeit in dem Höhlensystem. Es entstanden Gaststätten, Kinos, Theater, Tanzsaal, Turnhalle, Kirchen und eine Krankenstation unter der Erde. Die Abschnitte in den Gängen erhielten Nummern an den Wänden und wurden zur einzigen Adresse der dort Lebenden. So entstand mit der Zeit eine ganze Stadt unter der Erde. Durch strenge Verhaltensregeln war das Zusammenleben gut organisiert. Für den Aufenthalt wurde pro Person und Nacht l Penny verlangt. Typisch für England nimmt die Beschreibung von Spukerscheinungen einen breiten Raum bei den Erzählungen unseres Führers ein. Aus druidischer Zeit werden uns Opferaltare gezeigt. Die Druiden, keltische Priester, sollen hier auch Menschenopfer gebracht haben. Zu erkennen sind noch Rinnen und Mulden, die das Blut aufgenommen haben. Der Führer zündet an einer Stelle eine Platzpatrone. Das Echo dröhnt Sekunden lang in dem weitverzweigten Gangsystem. Im sogenannten römischen Teil, der nach 1930 freigelegt wurde, fand man bis in größere Tiefe alle Arten von Feuersteingeräten. Der Feuerstein wurde aber auch später noch abgebaut und für Steinschloßgewehre benutzt. Die Steine wurden sogar für den gleichen Zweck bis an die afrikanische Küste exportiert. Von den Römern wurde der Kalkstein aus den Höhlen zum Bau von Häusern und Straßen verwendet. Später erkannte man, daß das Material auch als einfaches Düngemittel geeignet ist.

In napoleonischer Zeit gruben sich die Besitzer der naheliegenden herrschaftlichen Häuser Verbindungsgänge zu dem Gangsystem, um es als Schatzversteck und möglichen Fluchtweg zu benutzen. Im ersten Weltkrieg war in der Höhle ein umfangreiches, mit einer Feldbahn ausgerüstetes Munitionslager untergebracht. Um 1920 wurde auch einmal versucht, eine Champignonzucht in der Höhle einzurichten. In jüngerer Zeit wurden Szenen einer englischen Fernsehserie in der Höhle gedreht. Und es passiert auch schon einmal, daß sich Besucher einer geführten Tour plötzlich Weltraummonstern für den nächsten Horrorfilm gegenüber sehen.

Wer nach London kommt, dem ist eine Besichtigung der Chislehurst Cave zu empfehlen

 

Neuentdeckung

Für einen Höhlenbegeisterten wie mich, ist es ein bedeutendes Erlebnis, wenn er bei einer Neuentdeckung dabei sein kann. Dieses aufregende Gefühl habe ich während meiner Höhlenforscherzeit in der FHKF (Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken) mehrmals erleben dürfen. Link zur Homepage der FHKF Ich war dabei, als wir im Tennengebirge die Scheekegelhöhle, eine über einen km lange Eishöhle neu entdeckten. Die bedeutendste Entdeckung, bei der ich mit dabei war, war die Adventhalle in der König-Otto-Höhle bei Velburg. Einmal war ich tatsächlich der allererste, der einen neu entdeckten Höhlenraum betrat. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, das sicher mit der Erstbesteigung eines Berggipfels vergleichbar ist, wenn man sicher sein kann, daß man der erste Mensch überhaupt ist, der einen Höhlenraum betritt.

Ich bin auf meinen Bericht von damals gestoßen, den ich hier anfüge.

Neuentdeckung im Franzosenloch bei Pfaffenhofen am 11. März 1972

Beschreibung des schon länger bekannten Höhlenteils im Franzosenloch:

Vom Grund des Eingangsschachtes, dessen Tiefe ca. sechs Meter beträgt, gelangt man in westlicher Richtung durch eine kleine, ovale Öffnung in einen etwa einen Meter breiten Raum, von dem ein Kamin wieder ins Freie führt. Von dem Kamin aus zieht sich eine schmale, fast senkrecht abfallende Spalte in südlicher Richtung in das Berginnere. Es schließt sich der erste größere Höhlenraum an. Er ist sechs Meter lang, drei Meter breit und hat eine maximale Höhe von sieben Metern. Die Wände sind an einigen Stellen mit erbsengroßem Warzensinter überzogen. Dies sind die einzigen Sinterbildungen der Höhle. Rechts in einer Felsnische findet man ein typisches Beispiel für Schachtfauna. Knochenreste von Rehen, Hasen und Dachsen, sowie auch von domestizierten Tieren wie Schafen und Rindern. Auf ihr Alter ist nicht mit Sicherheit zu schließen, da ein Schacht zu verschiedensten Zeiten als Tierfalle gewirkt haben kann.

Über Versturzblöcke hinweg gelangt man in eine Halle, deren Ausmaßen nach es sich um den größten Raum der Höhle handelt. Am Ende dieser Halle, die an den Wänden starke Auslaugungen aufweist, geht es über eine steile Halde, die aus Dolomitasche besteht, nach oben. Über der trockenen Sandhalde öffnet sich ein gewaltiger Deckenschlot, der etwa bis vier Meter unter die Oberfläche reicht. Im weiteren Verlauf der Hauptspalte gelangt man durch einen Schluf, der nach ca. fünf Metern an einer Halde aus Dolomitasche und stark ausgelaugten Dolomitbrocken endet. Bis zu dieser Stelle war die Höhle am 21.5.1961 von D. Preu, K. Hager und anderen vermessen worden. Das Ende der damaligen Höhle war erreicht.

Tagebuch der Neuentdeckung

Am 27. Februar 1972 machten sich W. Lorenz und M. Kirnberger daran, im oberen Teil der Schutthalde zu graben. Bei ihren Grabungsversuchen rutschten von oben her mehrmals gewaltige Massen Dolomitasche nach. Die Arbeit wurde zunächst ohne Anhaltspunkte für eine Fortsetzung eingestellt.

4. März 1972

Die heutige Gruppe besteht aus D. Preu, W. Lorenz und mir. Nach mühsamer Grabungsarbeit - abermals rutschen große Mengen Dolomitasche nach - ist auf dem Rücken liegend, eine kleine Öffnung am Ende des aufsteigenden Sandtrichters zu erkennen. Der spürbare Luftzug läßt auf eine größere Fortsetzung schießen.

11. März 1972

Die Gruppe besteht wieder aus D. Preu, W. Lorenz und mir und wird verstärkt durch K. Hager, L. Dreier, M. Kirnberger, R. Drexler und H. Schlierf. In der Hoffnung noch heute in neue Räume vorstoßen zu können, machen wir uns daran die immer wieder nachrutschende Dolomitasche mit zwei Spaten und drei Plastikeimern zu entfernen.

12. März 1972

Kurz nach Mitternacht löst sich eine weitere Sandlawine. Hilflos schwimmt ein Höhlenforscher auf der Dolomitasche die Halde hinunter. Die Öffnung ist größer geworden, ein hoher, jedoch noch unerreichbarer Raum ist zu erkennen. Die Eimerkette läuft wieder auf vollen Touren. Eimer auf Eimer wird der Sand heraus geschafft und rieselt etwa acht Meter weiter vorne die merklich größer werdende Halde hinunter. Inzwischen sind ca. fünf Kubikmeter Dolomitasche abgebaut. Gegen zwei Uhr morgens sehen wir unsere Chance endlich gekommen. Kurz wird diskutiert, wer als erster den Vorstoß wagen soll. Ich nehme das Angebot, es mal zu versuchen, gerne an. Nach durch eine steil anstehende Sandwächte bedrohte Kletterei, gelange ich in einen nach hinten steil ansteigenden etwa acht Meter langen Höhlenraum. In einer Deckenspalte erreicht der Raum eine Höhe von 20 Metern. Der neue Raum verläuft in der Hauptkluftrichtung des vorherigen Höhlenteils. Ringsum öde, brüchige Wände mit faustgroßen bis 15 cm tiefen Auslaugungen. Nicht die geringste Spur von Sinter. Der Boden besteht aus Dolomitasche. Ich melde den Wartenden, daß der neue Zugang nicht mehr von nachrutschendem Sand bedroht ist. Sie kommen mir nach, begierig, den neu entdeckten Teil in Augenschein zu nehmen. Wir nennen den Raum die "Halle der rieselnden Sande". Von der südlichen Ecke der Halle kann man in einen weiteren Raum blicken, dessen Erkundung wir uns für die nächste Befahrung aufheben.

Karl Hager, Dieter Preu und Gerhard Lorenz bei der Vermessung der neu entdeckten Räume im Franzosenloch

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