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Meine Heilung

 Eine Heilung von Krebs 

Wer mich nicht erlebt hat, als ich krank war, kann das Ausmaß des Heilungswunders nicht verstehen, hält es vielleicht gar nicht für möglich,  es kam selbst für mich einfach zu plötzlich, zu spontan. Auch bei anderen sogenannten Spontanheilungen heißt es hinterher: "Vielleicht war er gar nicht so krank." Doch  Professor Jores aus Hamburg hat schon 1958 nicht nur geschrieben, dass es tatsächlich Spontanheilungen gibt, sondern auch, man müsste alle Spontanheilungs-Geschichten sammeln, die Leute fragen, wie sie nach ihrer Meinung ohne ärztliche Hilfe geheilt wurden, um herauszufinden, was da geschehen ist und was die Medizin vielleicht bei ihren Bemühungen um Heilung übersieht und noch lernen muss. Ja, man sollte die Leute, die geheilt wurden, erzählen lassen, sich in Ruhe damit beschäftigen, denn es kann nicht geleugnet werden, dass es ein Gesundwerden gibt, ohne dass Ärzte sich rühmen können, sie hätten Entscheidendes dazu beigetragen.
 Es ist also Tatsache: Es gibt Spontanheilung, und ich habe selbst eine erlebt. Vielleicht liegt es daran, dass wir zu materialistisch und zu wenig spirituell eingestellt sind, dass wir so wenig mit solchen Geschichten anfangen können und sie bis heute so wenig beachtet haben. Wir Menschen von heute wollen mit Tatsachen leben, die kausal zu erklären sind.
Nun, es ist auch eine Tatsache, dass ich ein Lymphom, eine Art Krebs im Lymphsystem hatte. Dieses konnte irgendwo im Körper die Bildung von Geschwulsten, ausgehend vom Lymphsystem, bewirken.
Im Mai 1999 wurde ich krank. Ich litt an einer Krankheit, die fast zum Tod geführt hätte und zu den Hunderten verschiedener Krebsarten gehört. Was ich zuerst davon bemerkte, war die Tatsache, dass ich nicht  mehr recht schlucken konnte. Das wurde immer schlimmer, bis ich mich endlich entschloss, am 12.11. 99 Röntgenbilder im Militär-Krankenhaus in Naucalpan - Satélite in Mexiko machen zu lassen, wo wir damals wohnten. Ich war Pfarrer der Deutschen Auslandsgemeinde.  Dort stellten sie die Geschwulst an der Speiseröhre fest und meinten im Bericht, dass es wohl Krebs sei.  Dreimal wurde ich danach in Deutschland gründlich untersucht, wobei man nach  weiteren sogenannten Metastasen, Geschwulste im Körper, suchte, Orte, wo die Krankheit sich vielleicht auch schon ausgewirkt haben könnte. Außer der kastaniengroßen  Beule über dem linken Auge, die sich weit bis fast zum Sehnerv in die Augenhöhle ausdehnte, und der 19 cm langen und 6 cm breiten Geschwulst am unteren Teil der Speiseröhre fand man jedoch nichts.
 So war ich bei zwei Urlaubsaufenthalten in Tübingen und in Freiburg und schließlich nach der Rückkehr in Karlsruhe im Krankenhaus gewesen. Jedes Mal hatte man mir dringend geraten, doch ja einer Chemotherapie zuzustimmen, denn "so was kann nicht einfach wieder verschwinden. Da ist ihr Immunsystem einfach überfordert." Im Städtischen Krankenhaus in Karlsruhe, wo man einen Versuch mit einer neuen Chemotherapie starten wollte, hieß es sogar: "Wir können sie nicht heilen, sondern nur behandeln, und ihr Leben damit vielleicht um zehn Jahre verlängern." 
Tatsache ist, und viele haben das gesehen, ich musste über zwei Jahre lang bei jedem Essen Schleim spucken, immer mehr, so dass zum Schluss pro Mahlzeit fast ein Liter herauskam. Ich nahm ab von fast 80kg auf am Ende nur noch 56kg, spuckte zweimal Blut und fiel dreimal  wohl wegen völliger Entkräftung in eine Bewusstlosigkeit, die zweimal über eine Stunde anhielt. Einmal wollte die Lufthansa-Maschine deshalb beim Flug von Mexiko nach Deutschland  wegen mir bei New York zwischenlanden, damit ich dort als Notfall ins Krankenhaus hätte eingeliefert werden können. Ich kam Gott sei Dank noch rechtzeitig zu mir und das Blutspucken ließ auch nach und ich sagte, nein, ich wolle lieber in Deutschland behandelt werden. Ein mexikanischer Arzt, der zufällig an Bord war, schaute danach immer wieder nach meinem Befinden, bis wir in Frankfurt landeten.
Ich kann für Zweifler an der Tatsächlichkeit meiner Krankheit noch viel mehr Fakten ins Feld führen, viele Leute kannten mich und erlebten mit, wie ich bei jedem Essen den Spuckbecher neben mich hinstellen musste und mich überall gleich nach dem nächsten WC erkundigte. Schon bei der ersten Untersuchung in Mexiko und bei der zweiten ebenfalls hatte man mir bestätigt, dass eine Geschwulst am unteren Drittel der Speiseröhre meine Nahrungsaufnahme erheblich behinderte, dass alle größeren und kantigen Brocken die Speiseröhre vollends verstopfen könnten .
Das soll an Beschreibung genügen. Dass es eine Plackerei war und dass das nach der endgültigen Rückkehr nach Deutschland noch mehr wurde, als ich deutlich spürte, dass auch das Atmen schwer fiel, brauche ich wohl nicht weiter zu schildern. Die Angst, dass es plötzlich zu Ende gehen könnte, erlebte ich komischerweise nicht so sehr, die spürte ich eher an meiner Frau. Sie hat bei mir eine schwere Zeit mitgemacht, als ich abnahm oder Blut spuckte oder bewusstlos wurde und dabei noch, schon halb benommen, sagte: "Jetzt kommt es gleich wieder, mir wird es so komisch, aber es ist alles nicht so schlimm, das geht vorüber." Doch auf einmal nicht mehr atmen zu können, das war furchtbar, da hatte ich selbst Angst vor der Nacht bekommen.
Als ich nach Deutschland kam, war ich schon so halb entschlossen,  nun doch einer Chemotherapie  zuzustimmen. Eine Operation kam nicht in Frage, die wäre zu schwierig, so sagte man mir, außerdem könne das Lymphom überall meinen Körper überfallen und müsse deshalb grundsätzlich bekämpft werden. Ich war bis dahin anderer Meinung gewesen, dass eben diese Krankheit mit den Konflikten meiner Psyche zusammenhängt, doch als dann in Deutschland ein schwerer Erstickungsanfall eintrat, war ich am Ende meiner Kräfte.
Wie und wann die Krankheit anfing, konnte ich genau sagen: Eine Auseinandersetzung mit dem Vorsitzenden des Kirchenvorstands aufgrund von Verleumdungen hatten mir den Rest gegeben, nachdem ich mehrmals von meinem Kollegen belogen worden  war. Ich konnte die Vorwürfe nicht mehr einfach runter schlucken und ich konnte die Dinge nicht so klarstellen, wie sie der Wahrheit entsprachen aus Angst, ich würde dem Kollegen damit Schaden zufügen. An dem Tag bekam ich dicke Füße, als Zeichen dafür, dass die Einheit von Körper und Psyche nicht mehr mit den Problemen fertig werden konnte.
 Die zweite Auseinandersetzung war die mit meiner damaligen Schwiegertochter, als ich nicht mehr klar sehen konnte, wie die Beziehung weitergehen sollte. Das linke Auge juckte und brannte furchtbar, und das wollte nicht mehr aufhören. Ich bekam eine Geschwulst am Auge, die nach und nach bis zur Größe einer Kastanie anwuchs und, was ich nicht sehen konnte, war eine andere an der Speiseröhre, die Schluckbeschwerden verursachte.
 Beides begann im Mai 99: Was die Psyche an Spannung nicht mehr bewältigen kann und nach außen hin keine Lösung findet, schiebt sie in den Körper. Für mich rührten beide Tumore, wie ich später überlegte, von einer Überproduktion des Lymphsystems her, wobei der Körper gereinigt werden sollte, aber allein natürlich keine Lösungen bringen konnte. Man müsste mal untersuchen, ob Krebs nicht einen "guten" Sinn haben kann und eine körperliche Lösung bringen soll in Form einer Überproduktion für das, was die Psyche nach außen hin ins Leben hinein nicht bewältigen kann.  Beides sei vom gleichen Lymphom-Material, lautete später der medizinische Befund.
 Das eine konnte man sehen, es war äußerlich, doch das innere hinderte mich mehr noch am Leben. Als es jedoch hieß, das Augenlicht sei bedroht, ließ ich mir die Geschwulst am linken Auge äußerlich wegoperieren, eigentlich auch wegen der Leute, die dauernd fragten, was ich denn da habe. Das war am 2.10. 2000 in Freiburg. "Schauen Sie, wie wenig noch an der Speiseröhre durchkommt," sagte damals der Arzt zu mir bei der Betrachtung der CT-Bilder. Doch ich ging wieder zurück nach Mexiko, um die Konflikte, die meine Krankheit verursacht hatten,  lösen zu können. Ich ließ mich in beratender Funktion in den Kirchenvorstand hineinwählen. Doch da merkte ich erst, wie schwer eine selbstgestrickte Konfliktlösung zu erreichen ist.
Meine Konflikte, die vor dem Mai 1999 in Mexiko und davor ja auch schon in Deutschland angefangen hatten,  passten alle zu einem Grundthema, das mein Leben durchzog: Ich schluckte viel, wollte die Probleme in mich reinfressen oder musste sie aus irgendwelchen Gründen verschweigen oder verheimlichen. Wann hatte ich schon die Wahrheit sagen  und dazu stehen können? Man hatte mir ja in Deutschland schon lange vorher geboten, über das Sterben unserer Tochter zu schweigen. Zweimal war ich sogar aufgefordert worden, den Inhalt unseres Buches öffentlich in der Zeitung zu widerrufen. Das sollte alles anders werden, dachte ich nun.
  Eine Geschwulst unter dem Arm ging übrigens sofort zurück, als ich nach langem Überlegen im November 99 meiner Frau und meinen Söhnen bei einem Urlaub sagte, dass ich mich dazu entschlossen habe, meiner Kirchenleitung Meldung zu machen und zuzustimmen, dass ich aus dem Beruf rausgehe. Dies geschah dann im Dezember, und ich erhielt die Antwort im Januar des folgenden Jahres, sofort nach Deutschland zu kommen und zum Vertrauensarzt in die Paul Lechler Klinik in Tübingen zu gehen.
   Keinerlei Stress mehr zu haben,  hatte der Arzt dort mir geraten. In meinem Berufsleben musste ich immer wieder mit Stress rechnen, Stress auch mit Menschen, die mich einfach nicht verstehen konnten oder gegen mich waren, weil ich ihnen zuviel Anerkennung bekam. Ich hatte außerdem nie ganz das tun und leben können, was ich für richtig gehalten habe, auch in der Kirche nicht, wenn ich merkte, es ging einzelnen nur um Ehre und Macht und nicht um Lieben und Dienen. Ich fand den Mut nicht, mich gegen meine Mitmenschen durchzusetzen.
 Konflikte lösen und Stress vermeiden, das ist freilich im Leben und in meinem Beruf, den ich sonst mit Freude lebte, leichter gesagt als getan. Ich wollte freier sein, das tun zu können, was ich gefühlsmäßig wollte, was richtig ist und was nach meiner Meinung sein musste. Und das wusste ich, seit ich mich nach dem Tod unserer Tochter so viel mit Krebs und anderen Krankheiten beschäftigt hatte: Meistens sind es bei Krebs, Rheuma, Multiple Sklerose und so weiter Beziehungskonflikte und oft spielen dabei sexuelle Probleme eine Rolle oder sie haben mit unserer Erziehung und Moral zu tun, die der Natur des Menschen entgegen standen. Mit allem hatte ich mich intensiv beschäftigt, aber zugleich darüber auch immer mehr schweigen müssen. Manchmal versuchte ich auch, die Wahrheit über Tabuthemen aus anderen herauszulocken, und ich merkte, dass es ihnen danach meistens besser ging, wenn man nur mal darüber reden konnte.  Und nun hatte ich, was ich gelesen und von andern gehört und erfahren habe, an mir in meiner Krankheit selbst erlebt.

Mir war alles klar geworden, was mit mir los war, was ich bei unserer Tochter erlebt  und bei vielen Kranken erfahren hatte und was bei mir selbst Krebs verursachte. Ich hatte in der Gemeindearbeit und im Krankenhausdienst viel mit Krebskranken zu tun gehabt. Auch darüber, wie unsere Tochter an den Folgen von Krebs gestorben ist, hätte ich nie so viel schweigen dürfen. Besonders nach der Lektüre von Dr. Hamers Buch: "Krebs, Krankheit der Seele" war mir klar geworden: Diese Krankheiten und vielleicht alle hingen mit Konflikten zusammen, die die Psyche eines Menschen nicht mehr bewältigen kann.
 So hatte ich also mein ganzes Leben lang in wichtigen Situationen, in Auseinandersetzungen immer nur geschluckt und   geschwiegen, obwohl ich Wahrheiten deutlich gesehen habe, bis dieses meiner Psyche zuviel wurde. Außerdem litt ich unter einem Dauerstress, der immer mit Beziehungsschwierigkeiten und sexuellen Problemen, über die man nicht reden kann, zu tun gehabt hat. Ich versuchte zwar immer wieder für mein Empfinden schädliche Tabugrenzen mit andern zusammen zu überwinden. Aber man braucht viel Offenheit und Ehrlichkeit  zueinander, um ein Vertrauen entwickeln zu können, das dazugehört.
Das schlimmste ist dann: Man wird, je mehr man weiß und erfahren hat, immer einsamer, man kann mit den wenigsten Menschen ehrlich und der Wahrheit entsprechend zum Beispiel über Sex und Liebe und den Schwierigkeiten zwischen den Geschlechtern reden. Einsamkeit, Dauerstress und Konflikte, das zusammen ist nach Dr. Hamer das Syndrom, das zu Krebs und wahrscheinlich auch zu anderen Krankheiten führen kann.
Das merkte ich und es spornte mich an, über die zwei Jahre meines Krankheitsverlaufs hin weiter nach Lösungen zu suchen: Meine Tumore waren wie ein Stimmungsbarometer, das ich dauernd beobachten konnte. Schien sich etwas zu lösen, so schienen sie sich zu verkleinern, kam etwas dazu, so wurden sie größer. Die Geschwulst am Auge wurde manchmal wieder etwas kleiner oder ich konnte wieder etwas besser beim Essen schlucken. Der Körper hatte das, was die Psyche nicht mehr schaffte, einfach übernommen und zeigte in seiner Weise mir selbst an, was mit mir los war. Doch immer wieder traten andere Schwierigkeiten auf und neue Probleme, über die ich nicht frei reden konnte.
 Natürlich war ich für meine Mitmenschen dabei kein einfacher Zeitgenosse, oft war ich gereizt und ungeduldig, wie übrigens wohl alle Krebskranken. Auch meine Frau hatte es nicht leicht mit diesem dauernden Hin und Her, ich nahm ja ständig ab, obwohl der mexikanische Homöopath, zu dem wir in unserer Einsamkeit gingen, immer wieder bestätigte, dass die Entzündungen im Körper zurückgingen und die Krankheit wohl zu heilen begann.
Von der Realität her gab es  kein anderes Ende mit den Schluckbeschwerden, dem Spucken und Abnehmen:  Als ich um Atem rang, war es soweit, ich musste als Notfall ins Karlsruher Krankenhaus. Das war nach allem Ringen um die Wahrheit wie eine endgültige Niederlage: "Ich schaffe es nicht!" Andererseits dachte ich: So muss ich nach der Erfahrung mit Operation wohl auch die Chemotherapie durchleben, um alles über Krebs zu wissen. Gott hat uns zwar geführt, doch so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte, ist es nicht. Nun erst kam das Eigentliche, was ich erzählen will und mir kaum jemand abnimmt: Man kann ohne Gottes Hilfe nicht alles selbst bewältigen.
Wir Menschen können vieles machen, aber nicht alles. Wir müssen dem Heiligen Geist Raum geben und dürfen mit unserm Drang, alles selbst machen zu wollen, ihm nicht im Weg stehen. Vielleicht war das auch notwendig: Alles loslassen, sich selbst einfach dem Schicksal oder, besser gesagt, Gott zu überlassen. Das geht bis dahin, dass man mit Schwerkranken auch über die letzte Lösung sprechen muss, nämlich dass jeder mal sterben muss. Sich dem Leben zu überlassen, heißt auch den Tod in Kauf nehmen, denn er gehört zum Leben. Wir sind im Leben und im Sterben in Gottes Hand. Das sagen wir in der Kirche so leicht. Doch schlimmer als der Tod ist die Angst, und sie macht eigentlich das Schlimme bei Krebs aus. Es gibt eine körperliche Angst, die man nicht mehr bändigen kann, sie sitzt praktisch in jeder Zelle, deren Energie nach innen zusammenfällt.
Alle Leute, auch die Ärzte oder viele von ihnen, das habe ich auch erlebt, haben dazu noch Angst vor dem Kranksein, vor Krebs und vor dem Sterben. Als ich ins Krankenhaus kam, konnte ich nicht mehr darüber nachdenken, auch wenn manche vorher sagten: Du wirst schon sehen, wohin das führt, wenn du keine Chemotherapie machst. Ich wusste und spürte es, wie hinter meinem Rücken über mich geredet wurde: Er hat Krebs, man weiß doch, was das bedeutet.
 Manchmal höre ich auch heute bei den Leuten leichten Spott heraus: Das ist doch Unsinn, das gibt es nicht, eine Heilung ohne Arzt, der macht sich was vor, er soll nur mal abwarten, was noch geschieht.
  Er will immer nur von seiner Heilung reden, sagt man auch heute noch von mir. Dabei mache ich´s nur selten und ich kann es gar nicht richtig schildern, was da  geschehen ist, ich habe selbst Hemmungen vor dem Irrationalen, Unmöglichen. Aber wenn ich so schreibe, nehme ich es mir wieder vor: Ich sage jedem die Wahrheit, ich  hatte Krebs, aber jetzt weiß ich, es gibt auch dabei Heilung. Doch wer nimmt sich  schon Zeit, mir wirklich mal zuzuhören? Manchmal habe ich auch Angst, wieder schweigen zu müssen, gar nichts oder zu wenig zu sagen. Oder ich werde unter dem Zwang der allgemeinen Meinung mich womöglich mit dem selbst Erlebten dem allgemeinen Denken anpassen: Nur das kann wahr sein, was alle oder eben die meisten sagen.
 Ja, deshalb schreibe ich mir alles noch einmal auf, denn wir leben in einer Kultur, die das Irrationale unterdrückt. Ich schreibe, weil ich anderen Mut machen und ihnen helfen will, und um endlich zu den Wahrheiten zu finden, über die geredet werden muss. Wo kommt das Leben her, wo geht es hin? Und was ist richtig dafür? Alles andere ist doch unwichtig. Das, was wir leben können, ist nur von kurzer Dauer. Und verkehrte Vorstellungen vom Leben, die immer weiter gereicht werden, auch wenn sie moralisch noch so gut klingen, können wir uns nicht mehr leisten, wenn sie krank machen.
 Das Rationale, in dem alle leben , die allgemeine Realität der Meinungen, was sein kann und was nicht sein kann, und was sein darf und was nicht sein darf, gilt heute mehr als die Erfahrung einzelner, dass es Dinge gibt, die man nicht erklären kann und dass unser Leben vielleicht eine ganz andere Bestimmung hat und darum eine andere Moral braucht. Ich fürchte auch, dass das Rationale und die allgemeine Meinung, es gibt nur das, was wir sehen, so hoch gehalten werden, weil wir Wahrheiten aus dem Weg gehen wollen, die uns sonst schwer zu schaffen machen: Wir leben mit unserem ganzen Wissen, mit unserem Realitätsglauben womöglich an den Wahrheiten des Lebens vorbei. Unser Leben wird von verkehrten, krankmachenden Vorstellungen gebremst, bei Christen zum Beispiel: Die Vorstellung, das habe Gott so gewollt,  Krankheit sei eine Prüfung Gottes.  Gott will kein krankes, verkehrt moralisches Leben. Ich will darüber schreiben, was ich vorher schon erfahren haben, jetzt aber sicher weiß:
  Wir alle schlucken viel zu viel ungelebtes Leben hinunter, das wir als Kind noch spürten und wünschten, aber dann, je älter wir wurden, verdrängten und nicht mehr wahr haben wollten. Das gilt vor allem für unseren Hunger nach Liebe, der mit der Angst vor dem Sexuellen gebändigt werden sollte. Was ich darüber im Krankenhaus, in der Psychiatrie, in der Eheberatung, im Gefängnis erfahren habe, will ich veröffentlichen. Ich werde nicht mehr schweigen und Wahrheiten schlucken. Ich suche Menschen, die ähnliches erlebt haben, mit denen ich mich verstehen kann und die mir zustimmen: Nur mit dem Rationalen allein, leben wir falsch, genauso wie alle unsere moralischen und frommen Vorstellungen falsch sein können. Wir können bei Atheisten und Pietisten Fehler entdecken und brauchen neue Erfahrungen von Gott.



Heilung - ein komplexes Geschehen

Heilung von Krebs ist  ein komplexes Geschehen, eine Heilung eines kranken Lebens. Das habe ich erlebt. Glaube, Liebe und Hoffnung gehören dazu, Befreiung von Angst  und von Hindernissen, die zu einem ungelebten Leben führen. Ohne Gottes Hilfe gelingt das nicht oder, sagen wir, ohne Begleitung und Führung von einer für uns unbegreiflichen Kraft, die das Leben hervorbringt und schafft.
Eine allumfassende, positiv ausgerichtete Religion ist eine der Hilfen und Aspekten dieses komplexen Geschehens. Gott wirkt und heilt Leben, der größte Feind des menschlichen Lebens sind nicht moralische Fehler und Vergehen, sondern die Angst, alles zu leben, was uns die Wirkkraft Gottes in uns angelegt hat. Die größte Sünde gegen Gott ist also, das Leben nicht zu leben. Darum schrieb mir jemand zum Tod eines von ihm geliebten Menschen: "Am Grab der meisten Menschen trauert, tief verschleiert, ihr ungelebtes Leben." (Oskar Jellinek)

So aber sah es bei meiner plötzlichen Heilung aus:  
Am 2.2.02 war mein 2.Geburtstag, der Tag, da mein neues Leben begann.
Deutlich spüre ich, dass ich nicht etwa ein besonders gläubiger Mensch bin, weil mir so etwas wie diese irrationale Heilung passiert ist, denn in dem Moment, da ich nicht  atmen konnte, dachte ich nicht mehr an Glauben. Ich war ich am Boden zerstört und hatte nur noch Angst. Da entschloss ich mich: Jetzt muss ich ins Krankenhaus, jetzt ist es so weit, ich ersticke. Man muss mir helfen. Ich erzähle das Ereignis, das dann "plötzlich und unerwartet" eintrat, so wie es mir in Erinnerung blieb.
Sie warteten noch mit dem Feierabend auf mich in der Röntgenabteilung. Nach fünf Uhr wurde ich im Eiltempo durch die Gänge geschoben. Man gab mir Sauerstoff und etwas zum Inhalieren, Medikamente und gleich mal eine erste Bestrahlung, denn das stand jetzt fest: Ich musste zuerst mal eine Strahlentherapie mitmachen. Und ich war ja fix und fertig und liess alles mit mir geschehen .
Die Medikamente, darunter auch Cortison, wie ich später erfuhr, spuckte ich natürlich alle aus. Auch zerstoßen in einem Glas Wasser brachte ich sie nicht runter. "Lass es sein, warte bis morgen ab!" sagte mein  Sohn. Um Luft ringend lag ich dann im Bett, aber es ging, ich lebte ja und wollte mich der ärztlichen Kunst überlassen und dachte an nichts weiter. Meine Frau bekam das andere Bett, das gerade frei war, sie durfte bei mir sein und konnte mich beobachten. Das war allen recht. Langsam beruhigte ich mich etwas und irgendwann bin ich dann auch eingeschlafen,  meine Frau wohl auch, denn ich habe sie dann später geweckt.
   Um halbdrei muss es gewesen sein, warum, das weiß ich nicht, wahrscheinlich habe ich gleich danach mal auf die Uhr geschaut. Da hat mich jemand oder etwas wach gemacht. Meine rechte Schulter wurde leise berührt, und ich spürte von oben her den Rücken hinunter, wie eine Wärme und Kraft durch mich hindurchfloss. ES war ein herrliches Gefühl, voll Liebe und Glück. Ich wurde ganz wach dabei, überließ mich aber ganz dem Empfinden. Ich spürte ES, doch da war niemand, da war nur der Schrank, wie es in jedem Zimmer eines Krankenhauses einen gibt. Meine Frau erzählte später, ich habe sie geweckt und gesagt: "Du, ich bin gesund!!" Ich konnte atmen, alle Angst war weg. Ich fühlte mich unbeschreiblich wohl. Alles andere war unwichtig, aus und vorbei.
 Vielleicht kann ich mich auch deshalb an nicht viel mehr erinnern, weil alles Rationale, das Denken und Begreifen, mit dem man sich normalerweise beschäftigt, gar keine Rolle spielte, doch irrational war die Situation ganz klar und unnennbar schön und sie war tatsächlich und hatte ihre rationale Wirkung, wie ich erst Stunden später erfuhr.
Meine Frau erzählte mir später: "Du hast mich geweckt. Ich habe mich selbst gewundert, dass wir beide doch eingeschlafen waren. Wir waren offenbar doch sehr fertig gewesen, wir sind ja heulend von der Wohnung von unserem Sohn weggegangen, haben die Untersuchungen durchgemacht und gerätselt, was nun geschehen wird.  Doch da in der Nacht sagtest du plötzlich: " Du, ich kann wieder atmen, ich bin gesund, morgen kann ich wieder heim." Du hast so eine Ruhe ausgestrahlt, die mich ansteckte. Das konnte ich natürlich nicht glauben, dass wir morgen wieder heim gehen, aber ich merkte, wie gut es Dir auf einmal ging. Dann bist Du wieder eingeschlafen und hast ganz ruhig geatmet, ohne das Gerät und ohne Inhalieren. So ruhige Atemzüge habe ich schon lange nicht mehr bei Dir gehört, da habe ich auch weitergeschlafen.
  Am Morgen hast Du dich gewaschen, dann kam das Frühstück. Ich sagte noch: "So schnell werden sie Dich nicht gehen lassen, so wie sie Dich gestern erlebt haben." Dann passierte das mit dem Frühstück. Du hast wieder den Spuckbecher neben Dich gestellt und warst fest entschlossen, den Kampf mit dem Schlucken wieder neu aufzunehmen. Kein Gedanke verschwendeten wir mehr auf das, was in der Nacht passiert war. Das Rationale war wieder dran, auch wenn das ruhige, gute Gefühl noch anhielt.
Doch dann kamen die Zeichen einer anderen Tatsächlichkeit: Mit  dem Brötchen mit Honig versuchte ich es zuerst einmal, das Glas Wasser mit Saft gemischt stand gleich daneben zum Nachspülen, und der Becher unten neben meinen Füßen. Eis hatte mir eine liebe Schwester besorgt, denn mit einem kalten Getränk spürte ich das Fließen durch das schmale Rinnsal meiner leicht zu verstopfenden Speiseröhre
 Ich kaue und... O Wunder, ich kann schlucken. Ein Stück Brötchen ohne Nachspülen! Wie ist das möglich? Gleich noch mal. Ja, tatsächlich! Ich verstehe das nicht! Was ist geschehen? Klar, das Erlebnis in der Nacht war jetzt erst rational fassbar bewiesen geworden. Da war was tatsächlich passiert!! Ich bin gesund, ich kann wieder schlucken! Wie ist das möglich?
 Meinen Spuckbecher, der mich überallhin in Mexiko begleitet hatte und den ich auch jetzt wieder ins Krankenhaus in Karlsruhe in Deutschland mitgenommen hatte, ich hatte ihn stets griffbereit zwischen meinen Füßen stehen, habe ich als Erinnerung an meine Krankheitszeit aufgehoben. Der muss noch einen Ehrenplatz in meinem Studierzimmer bekommen, wenn ich dort alles aufgeräumt habe.
 Wer soll das begreifen: Zwei Jahre dauerte die Plage morgens wenig, mittags mehr, abends fast den ganzen Becher habe ich voll gespuckt, mit allen Tricks habe ich zu schlucken versucht. Kalte Getränke brauchte ich dazu, nur Wasser und  Pampelmusensaft durfte es sein. Oft war es schwer, so etwas zu bekommen: Eis bei den Fahrten durch Mexiko und Pampelmusensaft in Deutschland. Meine Frau hatte sogar Vorrat ins Krankenhaus mitgebracht, auch sonst dicke Suppe und einen Topf zum Wärmen für die Zwischenmahl- zeiten, denn ich hatte mir angewöhnt, alle drei Stunden etwas zu mir zu nehmen, weil ich doch nicht viel runter bekam. Und jetzt: Auf einmal keine Schwierigkeit beim Schlucken.

Ich merke es jetzt erst, dass es ein leicht zu merkendes Datum ist. So wie das Jahr der bis dahin wirkenden Konflikte 1999 drei Neuner hatte, so hat das Datum der Heilung drei Zweier. Am 2.2.02 war es. Zwei ist die kleinste Verbindung, 9 ein sich potenzierender Konflikt. Mir wurde das Leben noch einmal geschenkt. Ist das auch der Beginn einer anderen Realität für mein Leben? Wie müsste ein Leben aussehen, wenn die Kraft Gottes so rasch und so deutlich eingegriffen hat? Wie sah es und sieht es bei Menschen aus, die wirklich Jesus erlebt haben. Ich weiß heute noch nicht, wie ich mit dem Erlebnis zurechtkomme, wie ich damit leben soll.

Essen und Trinken ist eine Freude, das ist mir seither geblieben. Jede Mahlzeit wurde zum Fest, ich hatte keine Probleme mehr. Der Professor der später kam, lächelte und sagte: "Sehen Sie, wie gut unsere Medikamente wirken, so machen wir weiter, dann ist Ihnen geholfen!" - "Nein, ich habe sie doch rausgespuckt, ich habe sie doch gar nicht schlucken können.". Er lächelte nur. Hat er es überhaupt gehört, was ich ihm sagen wollte: "Ich bin gesund!" "Ja warum sind Sie dann überhaupt hier?" -"Ja, das weiß ich jetzt auch nicht, was da los ist." Hatte er es überhaupt verstanden, konnte er es verstehen, oder zweifelte er an meinem Verstand?
  Wie hatte sich doch alles verändert: Essen machte solchen Spaß. Wenn wir feiern, dann essen und trinken wir, das verstehe ich heute. Morgens, mittags und abends. Und dazwischen auch noch etwas, wenn ich es bekommen konnte. Ein Heißhunger war in den zwei und ein halbes Jahren entstanden. Eigentlich ging es uns gut im Krankenhaus, meine Frau brachte immer noch etwas zusätzlich zum Essen mit. Kaffee konnte ich bekommen oder Tee oder eine Zusatznahrung mit Eiweiß und Wasser trank ich wie ein Weltmeister.  Nur das war meine Schwierigkeit jetzt: Wer konnte mir erklären, was passiert ist?
Niemand ließ sich auf ein Gespräch ein oder interessierte sich für meinen veränderten Zustand. Sie hatten es ja auch nicht miterlebt, wie es mir zwei Jahre lang so schlecht gegangen war. Die Untersuchungen verliefen nach Programm. In verschiedenen Abteilungen mussten Termine eingeschoben werden, das waren die Sorgen aller im Krankenhaus. Und sie nahmen dabei alle schon besondere Rücksicht auf mich, damit mir schnellstens geholfen werden sollte. Die Strahlentherapie ebenfalls, da war ein besonderer Andrang von Leuten, die nur für die Bestrahlungstermine ins Krankenhaus kamen. Doch nach der sechsten Bestrahlung verlangte ich ziemlich heftig das Ende der Therapie und das Ende aller Behandlungen. Lieber gleich die Chemotherapie, wenn es denn nötig sein sollte, aber in einer ganz milden Form, denn war sie denn überhaupt noch wichtig?.
 Nun  erlebte ich, wie man mit List und Tücke einen Patienten doch dazu bringt, dass  das Standartprogramm der "Behandlung"  absolviert wird. Nur das Cortison war gleich wieder reduziert und dann abgesetzt worden, als ich es verlangte, vielleicht auch nur, weil der Professor selbst das so im Sinn gehabt hatte. Er sah ja, wie ich zunahm und meine Hinfälligkeit innerhalb einiger Tage verschwand.
  Jede Nacht überlegte ich eine Stunde, was ich zum Professor sagen werde, um ihn für mich zu interessieren. Erst dann konnte ich wieder gut schlafen, wenn ich eine Idee hatte. Hat bei mir eine Heilung nicht schon längst begonnen, muss die Menge von Gift, das ich jetzt per Tablette oder Infusion bekommen sollte, bei mir nicht besonders gering sein, wollte ich ihn fragen.  Was ist überhaupt ein Lymphom , das damit vertrieben werden sollte. Es hat doch etwas mit dem Lymphsystem zu tun, das doch selbst im Körper eine heilende Wirkung  haben sollte. Auch Schleim ist etwas Gutes gewesen, aber jetzt kommt auf einmal kaum spürbar nur eine ganz normale Menge? Ich wollte ihn mit Fragen in ein Gespräch verwickeln. Aber es nützte oft nicht viel, er hatte ja so wenig Zeit. Oder glaubte er mir einfach nicht, meinte er, ich hätte einfach Angst vor der Therapie, die er mit mir vorhatte. Und dann hatte er auf einmal auch noch Urlaub wegen einer Tagung.
Immer noch meinte ich, die Chemotherapie müsste vielleicht doch sein, aber vorher sollte man sich doch mal dafür interessieren, wie weit denn ein Heilungsprozess bei mir schon fortgeschritten sei und ob eine Heilung nicht doch von selbst sich weiterentwickeln könnte. Ich bot dem Professor sogar meine Mithilfe bei seiner Forschungsarbeit an, aber auch dabei kam von ihm kein befriedigendes Echo. Für mein irrationales Erlebnis fand ich einfach kein Gehör.
 Am weitesten kam ich beim Chefarzt für Strahlentherapie: "Nein, so plötzlich kann das, was wir machen, nicht wirken, ich bin zwar überzeugt vom Nutzen  der Bestrahlung, aber bei Ihnen ist nur die kleinste Menge vorgesehen. Meist wirkt das erst noch nach, wenn Sie wieder nach Hause entlassen  sind. Zu dem, was Sie erlebt haben, sagen Sie doch einfach: Dein Glaube hat dir geholfen! Aber eine Chemotherapie würde ich auf jeden Fall noch machen!"

 Ich glaube, wenn ich im Krankenhaus auf Hilfe und Interesse für mein Erlebnis und meine Heilung gestoßen wäre, hätte ich eine Chemo trotz meinem Wissen um den Zusammenhang von Krebs und Psyche und der Bedeutung von Konfliktlösungen doch gleich angeschlossen. Dass niemand Zeit hatte, mit mir die Sache zu untersuchen und eine Erklärung für die Tatsache zu finden, dass ich auf einmal wieder atmen und schlucken konnte, hat mich davon abgehalten,  mich einfach dem medizinischen Programm zu überlassen. Ich wurde immer kritischer. Ich hätte mindestens das Gefühl haben müssen, bei meinen Therapien mitzuarbeiten.
Innerhalb weniger Tage nahm ich einige Kilos zu, ich entwickelte einen ungeheuren Appetit, mir ging es so gut wie schon lange nicht mehr, aber nicht einmal das fand Beachtung. So bat ich nach zehn Tagen um einen Urlaub von ein bis zwei Wochen. Ich wollte Abstand gewinnen und mir  selbst klar werden, was passiert war und was das Desinteresse zu bedeuten hatte und wie es unter diesen Umständen weitergehen sollte.
  Das Krankenhaus ist doch dazu da, dass Heilung geschieht, und wenn nun doch so ein Heilungsprozess begonnen hatte, warum durfte der nicht mit einkalkuliert werden, so überlegte ich. Muss eine weitere Therapie nicht mindestens  entsprechend niedrig gehalten werden?  Sollte man nicht doch ein bisschen langsam machen und erst einmal abwarten, wie sich alles weiter entwickelte? Für die Oberärzte und den Professor und alle, mit denen ich sprechen wollte, gab es offenbar keine Selbstheilungskräfte, jedenfalls nicht für diese Krankheit. Oder konnte ich meinen Fall einfach nicht richtig darstellen und erklären?  Ich fand keine Antwort.
 Nach dem sogenannten Urlaub, ging ich  nicht zurück ins Krankenhaus. Es musste doch irgend eine Klarheit geben! Vor meinen Angehörigen schob ich die Rückkehr einfach noch hinaus. Mein Fragen und Überlegen nahm kein Ende. Was war geschehen und wie soll es weitergehen?
  Ja, ich wollte eine rationale Klarheit, denn jeder, der mir begegnete fragte auch danach. Meine Frau und meine Angehörigen hatten es nicht leicht. Bei allem, was passierte, fragten sie mit mir danach, was das zu bedeuten hatte. Lange Zeit blieben die Füße  geschwollen, oder zuerst hatte ich wieder leichtes Fieber und dazwischen auch mal ziemlich hohes. Was bedeuteten die Stiche in den Rippen, das Jucken am Rücken, die müden Gelenke? Waren das Nebenwirkungen der Bestrahlung? Was hatten die Strahlen überhaupt für eine Wirkung gehabt? Mehr Negatives als Positives? Das Brennen da, wo ich bestrahlt worden bin, wollte lange Zeit nicht aufhören.
 Ich war sehr mit meinem Körper beschäftigt. Andererseits musste alles, was ich früher nicht essen oder nicht tun konnte, erst wieder neu erobert werden: Das und das hatte ich gleich ausgespuckt, Treppen konnte ich nicht mehr steigen, wandern, aufrecht gehen, auf einen Berg hinauf  laufen, alles schien einmal unmöglich gewesen zu sein, und alles wurde mit Staunen, dass das wieder möglich ist, erst einmal wieder zurückerobert. Das Wunder der Heilung dehnte sich über Wochen und Monate aus.
  Alles kostete auch viel Ausdauer, Geduld und Energie. Sogar jedes Aufstehen fiel am Anfang schwer. Meine Frau machte mit mir Gymnastik, sie hat mir viel geholfen, ich glaube, ohne ihr Mut-Machen und Anspornen hätte ich mir manches nicht mehr zugetraut. Vielleicht wäre ich ohne sie auch viel mehr im Bett liegen geblieben. Dass ich  doch wieder alles schaffte, auch das gehört zu dem Wunder der Heilung. Ein ganzes Jahr und mehr hatten wir dazu gebraucht. Erst vor einigen Tagen habe ich gewagt, wieder ein Stück zu rennen. Und dabei habe ich das Empfinden, das Eigentliche muss jetzt erst kommen: Das Neue Leben kann jetzt erst beginnen, wenn erst der Heilungsweg abgeschlossen ist oder er geht  dann mit den Lebensveränderungen und neuen Aufgaben, die wir suchen, erst noch weiter. Wie das aussehen soll, muss uns Gott zeigen. Überhaupt wurde mir jetzt erst im Rückblick klar, wie alles, was wir erlebt haben und noch erleben werden, unter der Führung Gottes geschah. Sich Gott überlassen, auch das braucht Zeit und Geduld. Man muss es lernen, sich de3m Leben unter Gottes Führung ganz zu überlassen. Jeder Tag ist dann voll von Entdeckungen und Entwicklungen, die man später erst  im Zusammenhang verstehen kann.
  Viele Menschen muss ich um Entschuldigung bitten: Ich war so lange mit mir selbst beschäftigt, mit meinem Denken, Fragen, Ordnen, Üben, dass ich einfach keine Energie mehr hatte, mich auch um sie zu kümmern, ihnen zu sagen, wie es mir geht, oder mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Das mag falsch sein, aber die Kraft fehlte einfach. Wie soll ich auch jedem jetzt neu begegnen? Wie sieht das heilende, gesunde Zusammenleben aus? Da muss erst meine eigene Frage beantwortet werden: Wie muss ich selbst neu leben, um nicht in das alte Leben zurückzufallen? Immer mehr verschwand die beabsichtigte Chemotherapie aus dem Sinn und erwies sich als geradezu falsch, wenn ich sie gemacht hätte.
  Das ist sicher und mir wurde es immer klarer: Heilung bedeutet auch Lebensänderung. Dazu trägt auch das Erlebnis des nahen Sterbens und des Wiederbeginns danach bei. Ein neues, zweites Leben wurde mir geschenkt, ein Leben das mehr aus dem Irrationalen seine Kraft schöpft, da man tun und leben will, was Gott einem sagt, und das geht meistens gegen alle Regeln, mit denen man vorher gelebt hat. Gott hat mir Kraft gegeben zur Heilung, ich will sie nicht falsch verbrauchen, sondern sie dazu nützen, anderen zu helfen, wahre Liebe, Glaube, Hoffnung zu finden. Dass ich so viel geschluckt habe aus Rücksicht auf andere, weil ich gemeint habe, ich würde ihnen sonst schaden, das war falsch. Gottes Liebe habe ich in jener Nacht erfahren, die steckt in mir, sie steckt in allem Leben, diese allein gilt es zu leben.
 Jetzt erst wurde mir klar, wie Liebe und Sex schon immer mein Thema gewesen waren, wie ich darin meine Konflikte bekommen hatte, weil ich auch dabei zu viel geschluckt habe aus oft falscher Rücksicht auf meine Mitmenschen. Ich habe, wie alle es machen, Wahrheiten verschwiegen, nicht sehen wollen und sie selbst nicht gelebt oder ich habe sie unter Kontrolle gehalten, weil ich die Gesinnung oder Vorstellung anderer vielleicht mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen verletzen könnte.
 Ja, ich bin selbst den Fragen ausgewichen, weil ich meinte, ich würde anderen damit schaden. Doch Gott hatte mir ein neues Leben geschenkt, damit ich da weitermachen kann, Antworten zu finden: Wie können Beziehungsprobleme gelöst werden? Wie kann Krebs geheilt werden? Wie können Menschen liebevoller miteinander umgehen? Wie kann die Angst voreinander verschwinden? Wie kann die Einsamkeit vieler aufhören? Welches ist die Natur des Menschen? Wie kann sie ehrlicher gelebt werden? Wie kann Sex ehrlicher, liebevoller, gleichberechtigter, seelenvoller, natürlicher gelebt werden? Wie sieht ein gesundes von Gott gewolltes Zusammenleben aus?
 Ich werde viel Ruhe zum Nachdenken, aber auch viele Begegnungen  und Gespräche mit anderen brauchen, um die Schwierigkeiten,  in denen wir leben, zu untersuchen und danach zu fragen, ob es nicht doch ein anderes Leben gibt als dieses kranke in einer kranken Gesellschaft mit Gewalt, Krieg, Gesellschaftskrankheiten, so hat sie Prof. Jores 1960 genannt, und der gefährlichen Angst, die aus einem ungelebten, in uns versteckten Leben oder bösen verdrängten Erlebnissen aus der Kindheit herrühren. Wie kann ich zeigen, dass solches Leben krank macht? Dass unsere Gesellschaft, unser Zusammenleben krank ist und krank macht mit Konflikten, Einsamkeit und dem Stress, das Leben nicht mit Freiheit, Freude und Mut leben zu können.
Die Wahrheit, wie das Leben gelebt werden soll, müssen wir erst entdecken oder wieder finden, und die irrationale Kraft Gottes wird uns dabei helfen, denn wir sind so weit in das Denken hineingeraten, dass wir es nicht mehr schaffen, dass keiner, nur auf sich allein gestellt, je wieder herauskommen kann. Ich suche Gleichgesinnte, die mit mir zusammen das begreifen können: Unser Leben ist nicht allein von dieser Welt. Und wir müssen über alle Tabugrenzen hinaus darüber miteinander reden und dann mit einer ganz anderen Ethik, der Ethik der Liebe, einer universalen Liebe, die nicht von uns kommt, leben. Das klingt komisch, irrational, aber es hat eben mit Irrationalem zu tun. Dazu müssen wir zuallererst Möglichkeiten finden, wie wir uns öffnen können, von Gott Veränderungen zu erfahren, bevor wir krank werden.
 Konflikte mit unserer Natur, in der trotz aller Wissenschaft und Forschung auch etwas Irrationales steckt, werden in unserem Zusammenleben immer größer. Ich habe das bei meinem Dienst in der Seelsorge im Krankenhaus, im Gefängnis, in der Eheberatung, im Ausland usw. immer deutlicher erlebt. Wer kann schon sagen, was wahre Liebe und gesundes Leben sind? Wir Menschen können schon seit vielen Generationen nicht mehr das sein, was wir wirklich sind. Wir sind Künstler in Lügen, im Vertuschen und Verheimlichen von Wahrheiten geworden.
Der Stress mit dem ungelebten Leben wird unerträglich, darum werden so viele Menschen krank. Alles, was in Krankenhäusern und Anstalten, auch in Gefängnissen gelebt wird und sich abspielt, ist krankes Leben, dem vor allem Liebe fehlt und die Verbindung zur universalen Liebe. Davon will ich später reden und schreiben, Krankheit und Heilung haben mir Kraft dazu gegeben, und ich darf nicht mehr davon ablassen.
Glauben, Liebe und Hoffnung auf Heilung sind nötig, um ein neues Leben zu beginnen. Heilung geht immer weiter:  Aus der Kraft Gottes leben, auf dieser Spur will ich bleiben. So war das Erlebnis in der Nacht im Krankenhaus der Höhepunkt einer langen Entwicklung vorher und nachher, zu der mir immer mehr einfällt. Ich will weiterschreiben und nicht mehr
nur schlucken, verdrängen und vergessen, weil etwas unwirklich, irrational und allem Brauch entgegenzustehen scheint. Gleichgesinnte und Menschen, die ähnliches erlebt und gespürt haben sollen sich treffen können. Ein neues Leben muss gefunden und ausprobiert werden.
 

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